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Text-Lesbarkeit aus dem Blickwinkel der UX

Montag, 8. Oktober 2018 (Erlangen)

„Wer hat denn diesen Text verzapft?“ – „Das kann man ja gar nicht lesen…“

schwer zu lesender Text

Wann haben Sie das zuletzt gedacht, als Sie sich wieder einmal durch einen Text quälen mussten?

Auf der eigenen Website passiert einem das natürlich nie: alles ist klar verständlich, man ist sowieso Experte im eigenen Fachbereich, und das Thema hat eben ein gewisses Niveau… (Ironie aus 😉)

Hinweis: Dieser Artikel enthält eine Anwendung, um die Lesbarkeit eines Textes zu bestimmen. Probieren Sie es aus!

Was ist unter Lesbarkeit zu verstehen?

Die Lesbarkeit von Texten als Teil der User Experience ist ein meist vernachlässigter Aspekt. Wie in allen anderen Bereichen der UX muss ein Text auch eine Kosten-Nutzen-Analyse des Nutzers überstehen:

  • Kosten: Wie viel Mühe muss ich aufwenden, um den Text zu verstehen?
  • Nutzen: Wie viel wertvolle Information kann ich gewinnen?

Oft liegt hier ein substantielles Missverhältnis vor. Denn was hilft das schönste Design, wenn ein übermäßig komplexer Text die Usability ruiniert.

Es gibt viele Design-Techniken, um einen Text besser lesbar zu halten: Zwischenüberschriften, ausreichend große Schriftarten, optimierte Laufweiten und Zeilenabstände…

Wir beschäftigen uns in diesem Artikel mit dem Inhalt, genauer mit den Satzstrukturen und der Komplexität der Wörter. Wir geben Empfehlungen zum anzustrebenden Leseniveau sowie zu Methoden, um die Lesbarkeit mittels Formeln zu bewerten.

So erreichen Sie eine optimale User Experience für den Leser.

Welches Niveau ist das richtige?

Jakob Nielsen behauptet, dass für ein breiteres Publikum auf das Leseniveau der 8. Klasse abgezielt werden soll. Richten sich Ihre Texte eher an ein Fachpublikum oder B2B-Kunden ist ein Niveau der 12. Klasse durchaus akzeptabel. Es geht dabei nicht darum die Tonalität des Textes zu verändern, sondern Wörter und Sätze zu verwenden, die dem Ausbildungsniveau entsprechen.

Tipps für leichter lesbare Texte

  • Strukturieren Sie Ihren Text mit Absätzen und Überschriften
  • Verwenden Sie hauptsächlich das Aktiv
  • Vermeiden Sie Schachtelsätze (Hypotaxen)
  • Verwenden Sie einfache, kurze Wörter
  • Falls nötig, holen Sie sich Hilfe und beauftragen Sie einen Texter

Bewertung mit Hilfe von Lesbarkeitsindizes

Lesbarkeitsformeln sind in der Forschung weitgehend etabliert. Wir empfehlen für die Bewertung in erster Linie die Wiener Sachtextformel, da diese speziell für die deutsche Sprache entwickelt wurde. Unser Test stellt außerdem noch die Ergebnisse des angepassten Flesch-Reading-Ease-Index dar.

Wie funktioniert der Test?

Für die Bewertung des Textes muss dieser in Sätze, Wörter und Silben zerlegt werden. Für unseren Test gelten folgende Regeln:

  • Sätze enden mit einem Punkt, Doppelpunkt, Strichpunkt, Ausrufezeichen, Fragezeichen oder einem Zeilenumbruch (Überschriften).
  • Wörter sind durch Leerraum oder Satzeichen begrenzt.

Es war unser Ziel eine einfache JavaScript-Anwendung zu erstellen, die im Rahmen dieses Artikels problemlos im Browser ausgeführt werden kann. Unser Test überträgt also keine Texte an den Server, alles wird lokal berechnet.

Die Silbenanzahl bestimmen

Die Silbenanzahl eines Wortes zu bestimmen ist der schwierigste Teil und kann nur näherungsweise erfolgen. Um die Anzahl der Silben eines deutschen Wortes zu bestimmen gehen wir von der Annahme aus, dass eine Silbe einen Vokal oder Diphthong enthält, der von Konsonanten umgeben sein kann.

Die genauen Grenzen einer Silbe sind dabei nicht wichtig, wir wollen nur die Anzahl der Silben bestimmen (eine geringe Fehlerquote kann dabei toleriert werden).

Flesch-Reading-Ease (deutsch)

Dieser Lesbarkeitsindex ist ein numerischer Wert, der aus einem Text berechnet werden kann. Verständliche Texte weisen einen Wert von 60 bis 70 Punkten auf. Die von Rudolf Flesch entwickelte Formel wurde ursprünglich für die englische Sprache abgestimmt, unser Test verwendet eine auf die deutsche Sprach angepasste Version von Toni Amstad:

FRE = 180 - ASL - (58,5 * ASW)

ASL ist die durchschnittliche Anzahl an Wörtern pro Satz (Satzlänge). ASW entspricht der durchschnittlichen Anzahl an Silben pro Wort.

Wiener Sachtextformel

Die Wiener Sachtextformel wurde von Richard Bamberger und Erich Vanecek für die deutsche Sprache entwickelt. Sie versucht einen Wert zu errechnen, der der entsprechenden Schulstufe entspricht.

  • MS ist der Prozentanteil der Wörter mit mehr als zwei Silben
  • SL ist die mittlere Satzlänge (Anzahl Wörter)
  • IW ist der Prozentanteil der Wörter mit mehr als sechs Buchstaben
  • ES ist der Prozentanteil der einsilbigen Wörter

Danach errechnet sich der Wert nach der 1. Formel, wie folgt:

WSTF = 0,1935 * MS + 0,1672 * SL + 0,1297 * IW - 0,0327 * ES - 0,875

Fazit

Wenn Sie Ihre Newsletter und Marketing-Botschaften erfolgreich an den Empfänger übermitteln wollen, ist die Kontrolle der Lesbarkeit essentiell. Im Zusammenspiel mit Typografie und Design erhöhen einfach zu lesende Inhalte die Usability enorm.

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